Welche Faktoren können die Entstehung einer Arthrose begünstigen? Und kann man diese Faktoren beeinflussen? US-amerikanische Wissenschaftler geben in einem Übersichtsartikel Antworten.
Viele Menschen mit Arthrose fragen sich: Warum gerade ich? Bis heute sind zahlreiche Faktoren bekannt, die das Arthroserisiko erhöhen können. Dazu zählen Erbgut, Alter, Geschlecht sowie Fehlbeanspruchung, Verletzungen und Fehlstellungen. Einige dieser Faktoren lassen sich sehr gut von jedem einzelnen selbst beeinflussen, andere wiederum nicht. Zu letzteren zählen die Gene.
Eine Arthrose tritt bei Verwandten ersten Grades eines Arthrosepatienten doppelt so häufig auf, wie bei nicht verwandten Personen. Dieser Zusammenhang war bereits sehr früh bekannt. Die Genetik hat damit einen sehr großen Einfluss auf das Arthroserisiko. Ein spezielles „Arthrose-Gen" gibt es aber nicht. Vielmehr sind bisher zahlreiche Gene bekannt, die mit der Entstehung einer Arthrose in Verbindung gebracht werden.
Der zweite wichtige Risikofaktor ist das Alter. Die meisten Erkrankungsfälle treten bei Patienten, die älter als 50 Jahre sind, auf. Ein veränderter Gang, Muskelschwäche und weitere alterstypische Erscheinungen könnten die Entstehung einer Arthrose im Alter begünstigen, vermuten die Wissenschaftler.
Auch das Geschlecht spielt eine Rolle. Männer leiden zwar etwas häufiger speziell unter einer Arthrose des Hüftgelenks als Frauen. Insgesamt haben jedoch deutlich mehr Frauen Arthrose. Besonders betroffen sind Patientinnen über 50 Jahre. Über die Ursachen rätseln die Wissenschaftler noch. Eine mögliche Erklärung wird in der verminderten Produktion des Geschlechtshormons Östrogen bei Frauen in den Wechseljahren vermutet. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass eine Gabe von Östrogenen das Arthroserisiko senken kann. Doch noch ist die Studienlage nicht ausreichend, um Östrogen therapeutisch einzusetzen.
Bis heute ist noch nicht umfassend geklärt, inwieweit Fehlstellungen der Gelenke das Arthroserisiko erhöhen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass sie die Schwere der Erkrankung beeinflussen. So scheint eine O- oder X-Beinfehlstellung das Fortschreiten einer Arthrose im Knie zu begünstigen.
Zu den von uns beeinflussbaren Risikofaktoren zählt das Gewicht. Jedes Pfund mehr auf den Hüften belastet die Gelenke. Übergewicht ist einer der wichtigsten Faktoren, die dazu führen, dass der Gelenkknorpel überbeansprucht und dadurch geschädigt wird. Abnehmen ist daher eine gute Maßnahme, das Arthroserisiko zu senken.
Die Forscher betonen, dass in den letzten Jahren viel über die Entstehung einer Arthrose herausgefunden wurde. Dieses Wissen werde dazu beitragen, dass sich künftig die Behandlung der Arthrose immer weiter verbessern werde.
Quelle: Nach Informationen von Arthritis Research & Therapy 2009, 11:227

Dr. med. Michael Nager, Orthopädiezentrum München