Je früher eine Arthrose erkannt wird, desto besser. Forscher haben nun ein bestimmtes Protein identifiziert, das zur Früherkennung dieser Gelenkerkrankung herangezogen werden kann.
Eine Arthrose entwickelt sich schleichend. Macht sie sich durch Schmerzen oder morgendliche Steifigkeit bemerkbar, ist der Gelenkverschleiß bereits fortgeschritten. Daher ist es ein erklärtes Ziel der Arthroseforschung, die Krankheit möglichst früh zu erkennen. „Es besteht ein dringender Bedarf, Biomarker zu identifizieren, um die Früherkennung der Arthrose zu verbessern", unterstreicht Dr. Tim Spector vom Kings College in London. Seinem Team ist es nun gelungen, ein Eiweiß (Interleukin 6) zu identifizieren, das früh auf eine Arthroseerkrankung hindeuten könnte.
In ihrer Studie untersuchten die Forscher mehr als 900 gesunde Frauen mittleren Alters aus Großbritannien. Sie analysierten die Mengen der Stoffe Interleukin 6, Tumor-Nekrose-Faktor-alpha sowie C-reaktives Protein. Alle drei Substanzen sind bei Menschen mit rheumatoider Arthritis erhöht und scheinen somit bei Gelenkerkrankungen eine Rolle zu spielen. Diese drei Stoffe wurden im Blut der Studienteilnehmerinnen auch nach fünf, zehn und 15 Jahren bestimmt. Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler anhand von Röntgenaufnahmen nach zehn und 15 Jahren, ob eine Arthrose vorlag oder nicht.
„Bei Frauen, die einen höheren BMI [Body-Mass-Index: Maßzahl zur Bewertung des Körpergewichts] und erhöhte Interleukin-6-Werte aufwiesen, wurden in der Röntgenkontrolle häufiger Anzeichen einer Arthrose festgestellt", fasst Spector seine Ergebnisse zusammen.
Bisherige Verfahren zur Erkennung einer Arthrose können den Gelenkverschleiß nicht in seinem Frühstadium erfassen. Ein Labortest auf Marker wie Interleukin 6 kann hier möglicherweise genauere Daten liefern, weitere Studien müssen diese Ergebnisse jedoch noch bestätigen. Darüber hinaus hoffen die Forscher, mit Interleukin 6 auch einen weiteren Angriffspunkt für die Entwicklung neuer Therapien bei Arthrose gefunden zu haben.
Quelle: Nach Informationen der Arthritis Research Campaign, Juli 2009:

Dr. med. Michael Nager, Orthopädiezentrum München