Ein spezielles Krafttraining, das die Muskeln des Oberschenkels kräftigt, wirkt sich positiv auf Kraft und Beweglichkeit nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks aus.
Menschen mit fortgeschrittener Kniegelenkarthrose können ihre Beweglichkeit durch eine Kniegelenk-Operation zurückgewinnen. Das verschlissene Gelenk wird dabei durch ein Künstliches ersetzt. Doch die Mitarbeit der Patienten ist gefragt, damit das künstliche Gelenk auch optimal funktionieren kann. Denn häufig nimmt die Muskelkraft vor einer Operation deutlich ab. Kräftige Muskeln sind aber wichtig, um die Gelenkbewegung zu stabilisieren. Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein spezielles Krafttraining sich günstig auf Kraft und Beweglichkeit auswirken kann.
Im Rahmen der Studie haben Arthrose-Patienten circa vier Wochen nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks in Ergänzung zu den herkömmlichen Rehabilitationsmaßnahmen zusätzlich für sechs Wochen zwei- bis dreimal wöchentlich an einem Krafttraining teilgenommen. Dieses diente in erster Linie dazu, die Oberschenkelmuskulatur, die wichtig für die Funktion des Kniegelenks ist systematisch zu trainieren. Verglichen mit einer Kontrollgruppe, die kein zusätzliches Krafttraining absolvierte, ergaben sich zwölf Monate nach der Operation deutliche Verbesserungen hinsichtlich Kraft der Oberschenkelmuskulatur und Funktion des Kniegelenks.
Zu den konventionellen Rehabilitationsmaßnahmen nach Kniegelenkersatz bei Arthrose zählen physikalische Maßnahmen wie unter anderem Kälte- und Stromanwendungen oder spezielle Massagen, die gegen Schwellungen, Schmerzen und Verspannungen wirken, und das individuelle Gang- und Bewegungstraining zur Wiederherstellung der Gelenkfunktion. Ist die Bewegungssicherheit des Patienten wieder gegeben, beginnt circa vier Wochen nach der Operation eine gerätegestützte Krankengymnastik zum Aufbau der gelenkbewegenden und -stabilisierenden Muskelgruppen, zum Beispiel mittels Lauftrainer (Ergometer), Rollenzügen oder anderen Kraftgeräten, wobei auch zusätzliche muskelkräftigende Übungen aus der Sporttherapie infrage kommen. Neu in der Studie war der kontinuierliche und fortschreitende Charakter des Krafttrainings der Oberschenkelmuskulatur.
Das Funktionsniveau, das die Patienten nach der Operation durch das spezielle Krafttraining erreichen konnten, reichte an das gesunder gleichaltriger Erwachsener heran. Mit konventionellen Rehabilitationsmaßnahmen konnte dieses Ergebnis nicht erzielt werden.
Auch Menschen mit Arthrose, die sich keiner Knieoperation unterziehen müssen, können durch tägliche Bewegungsübungen für betroffene Gelenke eine Verbesserung der Beschwerden erzielen. Die Übungen können im Rahmen der Krankengymnastik, mit Hilfe eines Physiotherapeuten oder bei gut ausgebildeten Trainern in einem Fitnessstudio erlernt werden.
Welche Übungen geeignet sind, können Sie auch in der Knieschule von fit & mobil nachlesen.
Quellen: Petterson SC et al.: Improved function from progressive strengthening interventions after total knee arthroplasty: A randomized clinical trial with an imbedded prospective cohort. Arthritis Care & Research Volume 61(2); 2009: 174-183 sowie J. Heisel und J. Jerosch: Rehabilitation bei Gonarthrose und nach Kniegelenkersatz in Buchreihen Fortbildung Orthopädie Traumatologie, Volume 12, Steinkopff 2007

Dr. med. Michael Nager, Orthopädiezentrum München